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ich & die wirklichkeit's avatar

Mal wieder sehr spannend, vielen Dank! 🙏

Maike's avatar

Ich erinnere mich, wie ich das erste Mal von Florence Foster Jenkins hörte. Mein Onkel, damals ein braver Student der Kirchenmusik erzählte mir, einem braven Klaviermädchen, davon. Die Schallplatte war ein Geschenkhit unter seinen Kommiliton*innen. Und ich glaube, ein großer Teil der emotionalen Reaktion und Grund für die Faszination war Überraschung, weil damals, in vor-Internetzeiten noch mehr als heute der Glaube daran herrschte, dass sich "Leistung lohnt", also, die die am fleißigsten üben und am begabtesten sind, sei es in der Musik oder der Literatur auch den meisten Erfolg hatten. Dass es auf einmal jemanden gegeben haben sollte, wie Florence Foster Jenkins, die in der Carnegie Hall auftreten durfte etc obwohl sie ja gar nicht "gut" war,. brach mit dieser Gewissheit. Was Kempner, Black und Foster Jenkins offensichtlich gemeinsam haben, sind überdurchschnittliche finanzielle Ressourcen, die anscheinend geeignet sind, einen Mangel der Ressource Talent auszugleichen (heute kommt einem das selbstverständlich vor, damals vielleicht noch etwas weniger?). Vielleicht kommt ein Teil der Schadenfreude, die manche empfinden daher, dass es gerade in der Kunst am Ende nicht möglich ist, das immaterielle, Ungreifbare mit Geld auszugleichen, also hier ein Bereich bleibt (wenngleich vielleicht kleiner werdend), in dem die Macht der Mächtigen nicht wirksam wird? (warum ist MAGA-Kunst eigentlich so ganz besonders schlecht?). Was ich persönlich nicht nachempfinden kann, ist, warum teilweise mit so extremem Hass auf ästhetische Fails reagiert wird. Vielleicht liegt es daran, dass sich Menschen, die ungelenke Kunst präsentieren, auf eine besondere Weise verletzlich zeigen? Da hauen manche dann besonders gerne drauf.

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